Gibt es Whisky mit «Zapfen»?

Die Leute wissen, dass ein Wein «Zapfen» haben kann, aber viele denken, dass sowas beim Whisky nicht möglich ist.

Zugegeben, die Wahrscheinlichkeit von «Zapfen» beim Whisky ist niedriger als beim Wein. Vielleicht weil Whiskies einen höheren Alkoholgehalt haben und die aromatische Intensität es schwieriger macht, sowas zu bemerken. Aber es passiert und manifestiert sich in der gleichen Weise – ein Geruch von nasser Zeitung oder Karton und eine abgestandene Muffigkeit. Ich selber habe das erst einmal angetroffen – bei einem BENRIACH 10 Years Curiositas Peated.

Was ist es? Der Hauptschuldige ist eine chemische Verbindung namens 2,4,6-Trichloranisol (TCA), die bei Weisswein ab 2 Teilen pro Billion (ppt) bemerkt werden kann. Das Niveau steigt auf 5 ppt bei Rotwein, und ich würde davon ausgehen, dass es im Falle von eichenfassgreiften Spirituosen höher ist.

Das Problem ist, dass nicht jeder sehr empfindlich auf TCA ist und während jeder eine Infektion bei 100 ppt bemerken kann, können nur 50% der Taster (einschliesslich Experten) eine Infektion bei 10 ppt erkennen. Mit anderen Worten, viele TCA-infizierte Getränke werden nie bemerkt.

TCA entsteht, wenn die im Holz enthaltenen Phenole (z.B. in der Baumrinde zur Herstellung von Korken) durch Chlor in TCP (2,4,6-Tribromanisol) und dann in TCA durch mikroskopische Pilze in Gegenwart von Feuchtigkeit umgewandelt werden.

TCA kann in der Rinde des Baumes vorkommen, wenn diese durch ein auf Chlor basierendes Fungizid behandelt worden ist oder es entsteht bei der Herstellung des Korkens, insbesondere im Korkbleichverfahren.

TCA ist nicht nur in Korken enthalten. Es kann in Verpackungsmaterialien, Holzpaletten, hölzernen Transportbehältern, Kartons und Fässern lauern. In der Tat kann jedes feuchte, poröse Material, das mit einem chlorhaltigen Reinigungsprodukt behandelt wurde, TCA enthalten und einen Korken infizieren.

TCP kann auch durch Kontakt mit polychlorierten Phenolen zur Behandlung von Holz entstehen. Bei einem Rum-Produzenten musste jedes Fass im Keller infolge einer TCP-Infektion zerstört werden.

Die Weinindustrie hat sich von chlorhaltigen Reinigungsprodukten verabschiedet, während die Korkindustrie neue Technologien eingeführt hat, um zu versuchen, TCA-Befall zu beseitigen. Chlor wird von grossen Korkfirmen wie Amorim nicht mehr verwendet. Dies und die Abkehr von Kork und das Verwenden von Schraubverschlüssen haben das Vorkommen von TCA-Befall drastisch beim Wein reduziert.

Beim Whisky aber werden Korken sind jetzt immer häufiger eingesetzt. Infolgedessen ist es unvermeidlich, dass es mehr TCA-Infektion gibt.

Also wenn Du denkst, dass es ein Problem gibt, gib entweder die betroffene Flasche an den Laden zurück oder schick sie an den Produzenten zurück. Fachhändler werden wissen, wovon Du redest, wenn nicht, such dir einen anderen Händler.

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